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Johannisberg im
Rheingau – Menschen, Bilder, Traditionen
Ein Streifzug durch die Johannisberger Geschichte
Aus Anlass seines 20-jährigen Bestehens gibt der
„Förderkreis Weindorf Johannisberg e.V.“ eine neue Monographie zur
Geschichte und Kultur der altehrwürdigen Rheingauer Siedlung auf dem
„Bischofsberg“ heraus. Das Konzept stammt von dem Vorsitzenden des
Förderkreises Rudolf Edinger und von der Leiterin des Dorfarchivs Ilona
Kroganski. Vier ehrenamtliche Mitarbeiter haben sich zur Redaktion unter
Leitung von Rudolf Edinger zusammengefunden. Das Buch wendet sich nicht
nur an Johannisberger, sondern will „für möglichst viele Menschen
interessant“ sein. Gefördert wurde die Schrift u.a. von der
NASPA-Stiftung „Initiative und Leistung“.
Gegliedert ist das 288 Seiten umfassende Werk in
die Kapitel „Historisches – Menschen – Gebäude – Weinbautradition –
Dorfleben – Denkmäler, Brunnen, Bildstöcke, Wegekreuze – Traditionelles
– Johannisberg zu Fuß entdecken – Dorfarchiv – Statistik“ und teilt sich
dann auf in rund hundert Abschnitte oder Einzelthemen, die fast zur
Hälfte Rudolf Edinger mit imponierendem Arbeitsaufwand verfasst hat.
Können in dieser Buchvorstellung natürlich längst
nicht alle Beiträge im einzelnen berücksichtigt werden, so sei doch auf
einige besonders interessante oder herausragende Aspekte und neuere
Erkenntnisse aufmerksam gemacht.
Am Anfang steht eine geschichtliche Datenübersicht
von 4500 v. Chr. bis 2007 (!) und eine Zusammenstellung der
archäologischen Funde im Bereich der Gemarkung Johannisberg. Ein langes
Kapitel befasst sich mit der komplizierten Geschichte der „Mühlen am
Elsterbach“. Josef Staab hat vier Aufsätze beigesteuert: „Das Weingut
der Abtei Brauweiler“, „Die Säkularisation von Schloss Johannisberg“,
„Der Weinzehnte von Schloss Johannisberg“ und „Johanniswein – Die
Weinsegnung am 27. Dezember“. Alle Beiträge sind – wie man es bei diesem
Autor nicht anders erwartet – sorgfältig durch Quellenangaben belegt. In
dieser Hinsicht und im Blick auf neue Ergebnisse ist auch der
umfangreiche Artikel von Hermann Trabert über „Die Villen in
Johannisberg“ hervorzuheben, ferner der Beitrag über „Burg
Schwarzenstein“ von Barbara Burkardt, der Beitrag über das „Kurhaus und
Kloster der Benediktinerinnen“ von Rudolf Edinger und Wilhelm Geberth,
und zu nennen sind hier endlich die Arbeiten von Walter Hell über Wahlen
und das politische Leben im Dritten Reich. Das Kapitel „Menschen“ bietet
29 Kurzbiographien von Persönlichkeiten, „deren Name mit dem Ort
Johannisberg verbunden wurde oder wird“, darunter als ersten den Abt des
Klosters Johannisberg Konrad von Rodenberg (+1486) und als letzten
Theodor Speth (+2004), den letzten Bürgermeister der selbständigen
Gemeinde Johannisberg. Sehr informativ für jeden, der mit offenen Augen
und Interesse für seine Umgebung durch die Gemarkung streift, ist ferner
die übersichtliche Zusammenstellung der „Denkmäler, Brunnen, Bildstöcke
und Wegekreuze“. Beiträge über Trachten, Feste und Bräuche, über das
1993 gegründete Dorfarchiv und statistische Informationen mit Listen von
Bürgern (seit 1373), Schultheißen und Pfarrern schließen den
vielseitigen Band ab.
Der Inhalt ist naturgemäß zu weiten Teilen
geschöpft aus dem 1977 erschienenen grundlegenden und vorbildlichen Werk
„Johannisberg im Rheingau – Eine Kloster-, Dorf-, Schloß- und
Weinchronik“ von Wolf-Heino Struck, dem ehemaligen Leiter des
Hauptstaatsarchivs Wiesbaden. Der nun vorgelegte neue „Streifzug durch
die Johannisberger Geschichte“ geht aber dankenswerterweise darüber
hinaus, indem neue Themen angesprochen und vor allem Entwicklungen der
letzten 30 Jahre aufgegriffen bzw. bis in unsere Tage fortgeschrieben
werden. Insofern ist das Buch eine wirkliche Bereicherung unseres
aktuellen historischen Wissens und jedem Freund Johannisbergs, seiner
Geschichte und seines gegenwärtigen Erscheinungsbildes, zu empfehlen.
Dr.
Manfred Laufs
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