| Aus seinem
Leben: Johann Wolfgang Goethe wurde am
28. August 1749 als Sohn des Kaiserlichen Rats und Doktors der Rechte
Johann Caspar Goethe und seiner Frau Catharina Elisabeth, geb. Textor, in
Frankfurt am Main geboren, Von seinem dritten bis zum sechsten Lebensjahr
besuchte er eine Spielschule, ehe er unter der Aufsicht seines Vaters
privat unterrichtet wurde. Durch sein Elternhaus sammelte Goethe bereits
während seiner Kindheit Eindrücke des politischen Zeitgeschehens.
Im Oktober 1765 begann er in Leipzig das Studium der Rechtswissenschaft,
das er bis 1768 betrieb. In dieser Zeit prägten den jungen Goethe
vielerlei Bekanntschaften, wie etwa die zu dem Zyniker Ernst Wolfgang
Behrisch. Bei Adam Friedrich Oeser nahm er Zeichenunterricht. Goethe
lernte die Werke Johann Joachim Winckelmanns kennen, den er bald verehrte.
Goethes erste literarische Versuche waren noch deutlich vom Rokoko
geprägt. Von herausragender Bedeutung war seine Bekanntschaft mit Annette
Käthchen Schönkopf, in die er sich heftig verliebte. Ihr widmete er sein
Schäferspiel " Die Laune des Verliebtem", das in den Jahren 1767/68
entstand und seine eifersüchtige Liebe zu ihr beschrieb. 1768 wurde
Goethes Studium durch einen Blutsturz unterbrochen. An seinem Geburtstag
verließ er Leipzig, um sich in Frankfurt zu kurieren. Seine Genesung
dauerte eineinhalb Jahre. Goethe befasste sich nun mit Pietismus und
Mystik, darin bestärkt durch Susanna Katharina von Klettenberg, eine
Freundin seiner Mutter, die ihn während seiner langen Krankheit pflegte.
1770 ging Goethe nach Straßburg, wo er die entscheidende Begegnung mit
Johann Gottfried Herder hatte, der ihn für den Sturm und Drang gewann. In
Straßburg verliebte sich der junge Dichter in die Sesenheimer
Pfarrerstochter Friederike Brion, der er seine 1771 entstandenen Gedichte
widmete.
Am 6. August 1771 promovierte Goethe zum Lizentiaten der Rechte.
Anschließend kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er als Rechtsanwalt beim
Schöffengericht tätig wurde. Als Praktikant am Reichskammergericht zu
Wetzlar lernte er Charlotte Buff kennen und lieben.
In den Jahren 1772 bis 1774 entstanden Goethes bedeutendste Werke des
Sturm und Drang. Der »Urfaust«, »Prometheus«, »Mahomet«, »Pilgers
Morgenlied«, »Elysium,<, vor allem aber ~Götz von Berlichingen mit der
eisernen Hand« und »Die Leiden des jungen Werthers«, ein Briefroman, der
ihn über Nacht zum gefeierten und vielleicht bekanntesten Dichter jener
Jahre machte. Das Buch, dessen Held sich das Leben nimmt, zog eine wahre
Selbstmordwelle nach sich, Das Vorbild für die weibliche Hauptfigur
»Lotte« war Charlotte Buff. Goethe selbst war es später lästig, immer als
der Verfasser des »Werther« identifiziert zu werden.
Im April 1775 verlobte sich der inzwischen Fünfundzwanzigjährige mit Lili
Schönemann. Kurz darauf reiste er erstmals in die Schweiz, wo er Johann
Kaspar Lavater besuchte. Auf dieser Reise entstanden unter anderem sein
Gedicht »Auf dem See« und erste Arbeiten am »Egmont«. Bereits im September
1775 löste Goethe wieder sein Verlöbnis und folgte einer Einladung des
Herzogs Karl August nach Weimar.
Dort lernte er neben bedeutenden Männern seiner Zeit auch eine Frau
kennen, die ihm viel bedeuten sollte: Charlotte von Stein. Seine Beziehung
zum erst 18jährigen Herzog entwickelte sich bald zur engen Freundschaft,
Goethe wurde in den »Weimarischen Musenhof« aufgenommen und er entwickelte
einen außerordentlichen Arbeitsdrang. Am 11. Juni 1776 trat der junge
Dichter in den Weimarer Staatsdienst ein. Geheimer Legationsrat, Chef des
Bergbaus, Leiter des Gartenbaus, Direktor für Kriegskommission und Wegebau
und Finanzminister, dies waren die Stationen des Beamten Goethe, der seine
Karriere mit Talent und Zielstrebigkeit verfolgte.
1776 war auch das Jahr, in dem Goethes Freund Herder an den Weimarer Hof
kam. Die beiden wurden schon bald zusammen mit Christoph Martin Wieland
die »Drei Weimarer Riesen« genannt. Goethes literarische Produktion jener
Jahre litt etwas unter seinem beruflichen Engagement. Immerhin entstanden
in dieser Zeit einige seiner schönsten Gedichte. Seine Dramen blieben
lange unvollendet. Dafür verfasste er »Meine Göttin«, »Der Erlkönig« und
»Das Göttliche« sowie erstmals im Sinne der Klassik, die »Zueignung«.
Von herausragender Bedeutung für die deutsche Literaturgeschichte wurde
Goethes Reise nach Italien in den Jahren 1786 bis 1788. Unter dem
intensiven Eindruck der antiken Kunst reifte in dem Dichter das
Gedankengut der Klassik heran. Seine bedeutendsten Dramen schrieb oder
bearbeitete er in Italien. So brachte er »Iphigenie auf Tauris« in ihre
endgültige Form, beendete den »Egmont« und arbeitete an »Faust«, »Torquato
Tasso« und >Wilhelm Meister«.
Das Jahr seiner Rückkehr nach Weimar war gekennzeichnet von der
beginnenden Liaison mit Christiane Vulpius und dem Bruch mit Charlotte von
Stein. Das erste Zusammentreffen mit Schiller in Rudolstadt dagegen war
eine Enttäuschung. 1789 kam Goethes Sohn August zur Welt. Er war das erste
und einzige überlebende Kind, das der Dichter mit Christiane Vulpius
hatte. 1791 übernahm der Dichter die Leitung des Weimarer Hoftheaters, bei
der er von 1796 bis 1805 mit Schiller zusammenarbeitete. Im Jahr darauf
begleitete er seinen Herzog auf dem Feldzug in Frankreich, auf dem er
unter anderem die Kanonade von Valmy und die Belagerung von Mainz
miterlebte.
Das Jahr 1794 markiert ebenfalls einen Meilenstein in der künstlerischen
Entwicklung Goethes. Zwischen ihm und Schiller begann sich eine rege
Freundschaft zu entwickeln, die von gegenseitiger Hochachtung geprägt war.
Die anfängliche Abneigung war bald vergessen. Goethes dichterisches
Schaffen bekam neuen Antrieb. Bis zu Schillers Tod 1805 herrschte zwischen
den beiden Meistern eine enge Beziehung. Goethe verlor mit Friedrich
Schiller seinen zeitlebens wichtigsten Kritiker und Förderer. Er wandte
sich nach dem Tode Schillers mehr und mehr ab vom klassischen Ideal.
Im Jahr 1806, mit immerhin 57 Jahren, ging der Dichter seine erste und
einzige Ehe ein. Seine Gattin wurde Christiane Vulpius, mit der er seit
Jahren zusammengelebt hatte. Im Jahr seiner Eheschließung beendete Goethe
sein bedeutendstes Drama, den »Faust« (i. Teil), eine Arbeit, die ihn sein
ganzes dichterisches Leben lang begleitet hatte.
Christiane Vulpius war nicht die letzte Frau in Goethes Leben. Neben
seiner Liebe zu Marianne von Willemer, der er auf einer Reise an den Rhein
in den Jahren 1814/15 begegnete, spielte vor allem Ulrike von Levetzow
eine Rolle, eine junge Frau von 19 Jahren, um deren Hand er, der
inzwischen 74jährige Witwer (Christiane war 1816 gestorben), 1823 anhielt.
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