Die (St. Georg) "Klause"
Hofgut "Klaus" am Fuße des Johannisbergs
     
Nur die gotische Kapelle aus dem 15. Jahrhundert, an der Ostseite des Hofhauses, erinnert heute an dieses ehemalige Kloster "St. Georg" der Benediktinerinnen. Im Jahr 1937 entdeckte Kapitelreste beweisen das Vorhandensein der Klösterlichen Kirche schon in romanischer Zeit.

 

Urkunde des Nonnenklosters St. Georg von 1317

Schon bald nach der Gründung des Männer Klosters auf dem Berg, wurde zunächst auf der Westseite des Berges eine Klause (coenobiolum seu reclusorium) für Nonnen erbaut. Die Bewohnerinnen waren meist von Adel.

Nach vielen Jahren sei die eingerichtete Frauenklause für Benediktinerinnen, um der Ruhe der Nonnen wie der Mönche willen, gegen 1130 an den Fuß des Berges verlegt worden. Der Rheingraf Richolf stiftete hierzu dem Kloster das Hofgut "St. Georg" in der Gemarkung Winkel und gab gleichzeitig seinen Sohn und seine Tochter in das Kloster. Richolfs Nachfolger, sein erstgeborener Sohn Ludwig trat 1140 mit seiner Gattin ebenfalls dem Konvent bei.

Noch im zwölften Jahrhundert lösten sich dann die Nonnen vorn Mönchskloster ab und siedelten in den St. Georgshof. Der Hof wurde zum Kloster ausgebaut und die erste Kirche wurde erbaut, von der sich bis heute noch die romanischen Kapitelle erhalten haben.

Um 1170 erhielten die Nonnen "de Clusin" (der Klause) einen Brief der hl. Hildegard. Als "sanctimoniales sancti Georgi " (Nonnen des heiligen Georg) erscheinen sie dann um 1180 in der Binger Güterliste (Rotulus).

Das Nonnenkloster blieb offensichtlich lange Zeit in Abhängigkeit des Mönchsklosters auf dem Johannisberg.

Obwohl in den Urkunden dieses geistliche Institut stets Kloster genannt wurde, besteht die Bezeichnung "Klause" wohl zu Recht, da niemals vom Vorhandensein eines Kreuzganges - er gehört zum Klausurmäßigen Eigenleben eines Konvents - berichtet wurde.

An einer Urkunde aus dem Jahr 1317 befindet sich erstmals das spitzovale Siegel des Nonnenklosters. Es zeigt den heiligen Georg stehend und in Rüstung - in der rechten Hand das Schwert und in der linken das Schild haltend. Auf dem Gewand über der Rüstung befindet sich ein Kreuz.

 

Die alte Wetterfahne auf der Kapelle

 
Das Siegel des Klosters St. Georg von 1317

Die Kapelle war dem heiligen St. Georg geweiht. Das Bild des heiligen Georg auf der schmiedeeisernen Wetterfahne des Dachreiters der Kapelle zeugt noch heute von ihrem Schutzpatron.

Die Leiterin des Konvents wurde erst im 15. Jahrhundert mit Äbtissin bezeichnet und trug zuvor die Bezeichnung Meisterin (magistra), was aber zu jener Zeit durchaus nicht unüblich war.

Die Blütezeit des Nonnenklosters war nicht von langer Dauer. Die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechterten sich und wegen angeblich "schlechter Disziplin" wurde das Benediktinerinnenkloster 1452 aufgehoben, und der Besitz fiel zurück an das Kloster der Benediktiner "St. Johannisberg".

 

Die Klause unter dem Schloss Johannisberg 1904
In späteren Jahrhunderten wurde am Elsterbach, direkt bei der "Klaus" auch eine Mühle betrieben. Von der Mühle ist heute allerdings nichts mehr zu sehen.

Von dem ursprünglichen Frauenkloster, einem Stift der vorwiegend adlige Damen beherbergte, existieren heute auch nur noch die Reste einer gotische Kapelle auf der Ostseite des Hofgutes.

     
Die "Klaus" Blick von Nordwesten

Die gotische Kapelle an der Ostseite des Hofes

Der gräflich Schönborn'sche Hof "Klaus", der heute an dieser Stätte steht und der Name der Johannisberger Weinbergslage "Johannisberger Klaus" erinnern noch heute an das ehemalige Kloster der Benediktinerinnen.

 
Liste der überlieferten Meisterinnen (Äbtissinen) in der Benediktinerinnenklause St. Georg:
1285 Gertrud
1293 Lutza
1317 Greta
1345 Clare
1356 Katherina von Rüdesheim
1383 Else von Schippach
1387 Kunigunde
1397 Else von Wallertheim
1426-1434 Margrede von Schönburg
1435-1452 Luckela von Schwalbach
1452 Katharina von Winterheim alias von Scharfenstein

 

 

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