Der Johannisberger Johann Klein

© 2002 Rudolf Edinger

1819-1896    

 

Der Druckmaschinen-Fabrikant Johann Klein wurde am 10. September 1819 in Johannisberg im Rheingau geboren.

Der Sohn von Maria Barbara Klein (geb. Gerstadt) und des Schmiedemeisters Bernhard Klein, sei bereits als Kind "fleißig und begabt" gewesen. Bis zu seinem 14. Lebensjahr besuchte er die Johannisberger Volksschule. Danach erlernte er bei einem Rüdesheimer Onkel das Schlosserhandwerk und arbeitet auch noch einige Jahre in dessen Betrieb, bevor er 1840 als Handwerksborsch, wie man im Rheingau sagt, zünftig auf Wanderschaft ging.

Er zog zunächst Richtung Bayern und hörte auf seinen Wanderungen Wunderdinge über die zu dieser Zeit neu entwickelten Schnelldruckpressen die eine zehnfache Leistung als die bisher gebräuchlichen Druckerpressen bringen sollten. Da zu dieser Zeit noch allerorts Handpressen im Einsatz waren, wurde er neugierig und deshalb zog es ihn nach Wien. 

In den Wiener Schnellpressenfabriken Helwig und Müller und später bei den Gebrüdern Sigl erlernte Klein nicht nur die Kunst des Schnellpressenbaus sondern auch seinen späteren Partner Johann Forst, aus Kölbingen im Westerwald, kennen.

Nach den harten Arbeitstagen an den Schraubstöcken der Fabrik bildeten sich beide Handwerker in der Gewerbeschule fort und begannen am Zeichenbrett eigene Ideen für den Druckmaschinenbau zu entwickeln. Zur Verwirklichung ihrer Ideen fehlte jedoch das erforderliche Kapital.

So zog es die beiden 1846 zurück nach Johannisberg um in der Schmiede von Klein´s Vater das nötige Kapital zu erwerben. Aus der kleinen Dorfschmiede machten beide zunächst eine Maschinenschlosserei in der u.a. auch noch eine handbetriebene Druckpresse für die Rüdesheimer Druckerei Markus Detmer gebaut wurde. Immer wieder wurden jedoch Ideen für die "eigene Druckmaschine" am Reisbrett entwickelt.

Dann endlich, im Jahr 1847 erhielt man von der Wiesbadener Hofdruckerei Schellenberg den Auftrag zum Bau einer "Johannisberger" Schnellpresse. Im selben Jahr konnte man auch noch eine zweite, verbesserte Maschine verkaufen.

Das war die Geburtsstunde für die Maschinenfabrik "Johannisberg".

In Folge der "Märzrevolution" 1848 verschaffte die neue Pressefreiheit den beiden jungen Unternehmern schnell zusätzliche Aufträge. Hierzu waren nicht nur zusätzliche Arbeitskräfte, sondern auch Kapital erforderlich. Einen Kapitalgeber fanden die beiden Schlossermeister in dem Hallgartener Kaufmann Johann Bohn, der 1850 als Buchhalter und Teilhaber beitrat und die Mitarbeiter bildete man sich selbst aus, indem man junge Rheingauer "Burschen" zu Schlossern ausbildete.

Die erste "Johannisberger" Schnelldruckpresse
 

Die Werkstatt von Kleins war längst zu klein geworden, so das man zunächst eine zusätzliche Werkhalle und eine eigene Gießerei für die Gruß-Werkstoffe errichtete. Die erforderliche Energie verschafften zunächst die 1850 im Grund ersteigerte Mühle (Jann´sche Mühle) und später Dampfmotoren. Die Rheingauer Unternehmer verbesserten ihre Maschinen ständig und trugen somit wesentlichen Anteil an der Entwicklung des Druckmaschinenbaus in Deutschland. Nach und nach wurde das Fabrikgelände stückweise erweitert.

Am 12. September 1850, im Alter von 31 Jahren, heiratete Johann Klein die aus Oestrich stammende, 21 Jahre alte Barbara Schneider. Aus der Ehe gingen 5 Jungen und 6 Mädchen hervor.

Klein war auch ein Pionier in Sachen Soziales. Bereits Ende der 50er Jahre, lange vor den Zeiten der Bismarck´chen Sozialgesetze, hatten Klein und seine Teilhaber für die Mitarbeiter eine Fabrik-Krankenkasse geschaffen und einen Invaliden- u. Pensionsfond gestiftet.

Bei einem Brand am 1. Mai 1861 wurden fast alle Fabrikgebäude zerstört. Nachdem man sich von diesem schweren Schock erholt hatte, nutzte man nach dem Unglück die Möglichkeit die Fabrikhallen zweckmäßiger als zuvor wieder aufzubauen. So ging schnell wieder aufwärts und schon 1875 feierte man die Fertigstellung der 1000. "Johannisberger Druckmaschine". Betrug die Zahl der Mitarbeiter 1856 noch 40, so wurden 1876 bereits 164 Arbeiter beschäftigt die an 74 Hilfsmaschinen arbeiteten.

Nachdem sich die Teilhaber Kleins, Forst und Bohn, wegen andauernder Meinungsverschiedenheiten zum Austritt aus der Firma entschieden hatte, führte Klein das Werk zunächst mit dem Schwiegersohn von Johann Forst - dem Ingenieur und Konstrukteur Joseph Krayer - fort. Forst starb am 14.Februar 1879 an einem Schlaganfall.

Am 1. September 1891, kurz vor seinem 72 Geburtstag, setzte sich Johann Klein, nach 45 Jahren harter Arbeit, als Druckmaschinen-Fabrikant zur Ruhe. Die Fabrikgeschäfte überlies er seinen Söhnen Johann und Jakob sowie Joseph Krayer und kümmerte sich selbst fortan intensiv um sein Hobby - den Weinbau.

Durch die ständige Ausdehnung der Druckmaschinen Produktion war es, trotz zahlreicher Neubauten, im Johannisberger Grund bald zu eng geworden. Deshalb hatte Klein, noch im Jahr 1889 in einer Entfernung von nur 1 Km, ein ca. 4 ha großes Gelände in Geisenheim erworben.

Dort wurden in der Zeit von 1892 bis 1906 die noch heute bekannten neuen Fabrikhallen erbaut, die zudem nun auch einen Gleisanschluss hatten.

Die hier produzierten Qualitätsprodukte wurden in alle Welt verkauft und sind der Grund dafür, das der Name Johannisberg nicht nur bei Weinliebhabern auf der ganzen Welt bekannt wurde.

 

 
Johann Klein bei der Probe seines 1893er Weines
 
Der Fabrik Neubau in Geisenheim

Das kleine Weingut, das Johann Klein einst geerbt hatte, vergrößerte er nach und nach auf ca. 12.5 ha. Im Hof gegenüber dem Gutsauschank des heutigen Weinguts Schwarz, betrieb Johann Klein eine Weinstube. Häufig sei er dort und in seinem geliebten Weinkeller - wie auf einem alten Biedermeierbild - häufig in Küferkittel und Schürze - seine lange Pfeife rauchend - gesehen worden.

Aus dem Weingut, das Klein später seinen beiden anderen Söhne Josef und Karl überlies, entstand dann übrigens die seinerzeit berühmte Weinhandelsfirma Johann Baptist Klein.

 

Die Kinder von Johann u. Barbara Klein mit ihrer Mutter Barbara
Die Nachkommen von Johann Klein:

von oben links beginnend: Josef ( *20.11.1864)  Jakob (*18.10.1860) Johann (*22.3.1855)  Karl (*30.8.1862) die Zwillinge Rita u. Maria (*7.7.1869) Anna-Maria (*10.2.1857) Babette, Mutter Barbara, Agnes u. Klara Klein. Das Kind Nikolaus war im Alter von einem Jahr verstorben.

Mit dem Rheingau und besonders in der Gemeinde Johannisberg war Johann Klein tief verwurzelt. So war es für ihn selbstverständlich seinen bedürftigen Mitbürgern zu helfen und wurde deshalb als Wohltäter mit der liebevollen Bezeichnung "der gute Vatter" bedacht.

Für seine zahlreichen Verdienste erhielt Klein u. a. die Auszeichnung: "Ritte des Preußischen Kronenordens".

Johann Klein war es noch vergönnt, das 50 Jährige Jubiläum seines Lebenswerkes mitzuerleben. Am Vorabend dieses Festes wurde ihm zu Ehren ein großer Fackelzug veranstaltet.

Er starb, im Alter von 77 Jahren, am 24. November des Jahres 1896 - wie seine Weggefährte Johann Forst an einem Schlaganfall - als er gerade einen Spaziergang durch seine Weinberge unternahm. Seine Frau Barbara starb am 27. Dezember 1909 im Alter von 80 Jahren.

 

Ich danke der Familie Ria und Hanstheo Klein für die freundliche Unterstützung bei der Zusammenstellung dieser Informationen.
Weitere Quellen: Siehe Quellenverzeichnis
 

Home      Kontakt      Aktuell      Dorfarchiv      Johannisberg      Vereinszweck      Mitgliedschaft 

Impressum / Rechtlicher Hinweis

© 2002-2008

Förderkreis Weindorf  Johannisberg /  Rudolf Edinger