Die Burg der Rheingrafen in Johannisberg

 

Noch heute gibt die Geschichte der Rheingrafen, die bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts die Landesherrschaft im Rheingau inne hatten, viele Rätsel auf. Das liegt u.a. daran, dass bisher nur sehr wenige Urkunden aus dieser Zeit zur Verfügung stehen.

Fest steht jedoch, das auf dem Gipfel des Schloßbergs, nordwestlich des damals "Rheingrafenhausen" genannten Ortes - des heutigen Johannisberg, einst eine Burg der Rheingrafen existierte. Die Burg-Anlage ist u.a. durch Grabungen und historische Nachrichten nachweisbar und gilt als Karolingisch-ottonische Gründung aus der Zeit der Salier.

Somit war die Siedlung Johannisberg schon früh eine der alten "Hauptstädte" des Rheingaus.

     

Insgesamt fand man die Überreste von 2 Burgen aus der Zeit der Rheingrafen und Ihrer Lehensleute im Bereich der Südseite des ehemaligen Rheingaukreises (siehe Karte oben) und 7 weitere im Bereich der Wisper, darunter die ehemalige Hauptburg "Burg Rheinberg".

In den ältesten Urkunden werden die Rheingrafen, deren Herkunft unzweifelhaft im Einrich zu suchen ist, erstmals 1078 erwähnt. Es wird heute vermutet, das das Mainzer Erzstift bei der Übernahme der Herrschaft im Rheingau nicht nur deren Burgen, sondern auch deren Archiv vernichtet hat.

 

Die Burg auf dem Schloßberg zwischen Johannisberg und Marienthal
     
Der vermutlich unbefestigte Wohnsitz der Rheingrafen lag auf dem heutigen "Schloßberg" ca. 1700m nordwestlich des damals "Rheingrafenhausen genannten Ortes der heute als der Johannisberger Grund bekannt ist. Der Ort Rheingrafenhausen wird noch bis in das Jahr 1200 urkundlich erwähnt.

Die genauen Umstände um Erbauung, Besitz und Zerstörung der ehemaligen Burg sind bis heute ungeklärt. Der erste Hinweis auf diese Burgstätte stammt von F. Kutsch. Wie dieser 1961 feststellt ist der Umfang des ehemaligen Bauwerks noch im Gelände erkennbar. Die Burgstätte hat eine Länge von ca. 70m und eine Breite von ca. 18m jedoch ohne sichtbare Reste von Mauerwerk.

Obwohl hier auch Grabungen stattgefunden hatten wurden die Ergebnisse leider nie veröffentlicht und es wird vermutet, das Herr Duscherer der die Grabungen leitete aus ungeklärten Umständen sämtliche Unterlagen verbrannt habe.

Ob die Zerstörung tatsächlich durch das Erstift Mainz erfolgte oder ob letzte Steine des Mauerwerks gar noch als Baumaterial für die Mangangrube Schloßberg, die am Fuße der Burg von 1856 bis 1910 betrieben wurde, dienten ist bis heute nicht feststellbar.

 

Nur eine neuerliche Grabung könnte die Johannisberger Burg als Stammburg der Rheingrafen nachweisen.

Die Lage der Burgstelle am alten mittelalterlichen Wegenetz entlang des Elsterbachs zum "Rennweg" über den Johannisberger Grund, den Abtswald, Bordekreuz und Mühlberg zur Burg Rheinberg (Siehe Abb. 1) zeigt den Verbindungsweg zu den umfangreichen Besitzungen der Rheingrafen und die richtung des späteren Rückzugs der Gaugrafen in den Einrich.

Unweit der alten Burg, die seither verfiel, wurde um 1100 das erste Rheingauer Kloster, das Benediktiner Kloster Johannisberg begründet.

Von den Mainzer Erzbischöfen wurde in späteren Jahrhunderten schon frühzeitig und zielbewusst eine Politik betrieben deren Ziel es war die Oberherrschaft im Rheingau zu erlangen. In der Zeit um 1111-1137 setzte der Mainzer Erzbischof Adalbert I. seine Landeshoheit im Rheingau durch und der damalige Gaugraf wurde nach Burg Rheinberg an den Rand des Rheingaus abgedrängt. Ein neues Rheingrafengeschlecht fügte sich vor dem Jahr 1124 in die (Mainzer) erzbischöfliche Ministerialen-Familie ein.

Nach der Niederschlagung des Aufstands der mit dem Rheingrafen verbündeten Rheingauer Ministerialen (1279-81) wurden das Rheingrafengeschlecht dann endgültig aus dem Rheingau verwiesen.

 
Quellen:
  • Die Kulturdenkmäler des Landes Hessen (Max Herchenröder)
  • Die Burgen der Rheingrafen und Ihrer Lehensleute zur Zeit der Salier (Wolfgang L. Roser)
 

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