Die Johannisberger Schule

Einer der Priester, die an den zahlreichen Altären der Kloster- und Pfarrkirche während des Mittelalters tätig waren, wird vermutlich lernbegierigen Jungen etwas Unterricht erteilt haben.

Der erste authentische Bericht über die Errichtung einer Schule ist aus dem Ratsprotokoll von 1617 ersichtlich, wonach Johannisberg eine Schule im Jahre 1608 erhalten hat und zwar in der Scheune des Pfarrhofes. Schultheiß und Rat fassten "aus ungezweifeltem Eingeben und Erleuchtung Gottes, des heiligen Geistes den Plan, ein löbliches, Gott wohlgefälliges Schulanwesen einzurichten, damit die Menge der lieben unerzogenen Kinder in lesen, Schreiben, Singen und anderen christlichen Tugenden instruiert und geübt werde.'

Durch steigende Schülerzahlen bedingt, die leider nicht angegeben sind, baute die Gemeinde 1730 im Pfarrhof in der Schulstraße ein größeres Schulhaus.

Am 13. September 1843 dann abermals wurde ein neues Schulhaus bezogen, das heutige durch Anbauten vergrößerte Bürgerhaus.

Das alte Schulhaus hinter dem Pfarrhaus in der Schulstraße wurde im Jahre 1844 für 750 Gulden auf Abbruch versteigert. Der Name der Schulstraße blieb bis heute erhalten.

 

 

Das neue Schulhaus enthielt 4 große Räume, wovon 2 Räume im oberen Stock als Schulräume dienten, die beiden unteren zunächst als Lehrerwohnung. Hinter dem Schulhaus befand sich ein Ökonomiegebäude, das einen Schweinestall, eine Graskammer, einen Kuhstall für 2 Kühe und 4 Abtritte für die Kinder enthielt. Die Einrichtung des Stalles ist dadurch bedingt gewesen als der Lehrer außer einer geldlichen Vergütung einen Garten, eine Wiese, 2 Äcker und eine Baumschule bewirtschaftete.

Besuchten 1844 vom 1.-8. Schuljahr 130 Kinder die Schule, so waren es 1856 schon 156, 1878  211, 1882  234 und 1885  256 Schüler, die von zwei Lehrern unterrichtet wurden. Eine dritte Lehrerstelle wurde abgelehnt, da man es der finanziell bedrängten Gemeinde nicht zumuten könne, eine solche zu bezahlen. Allerdings wurde dann doch 1882 eine dritte Lehrkraft als "Hülfslehrer" eingestellt.

Die Namen der ersten Lehrer sind bekannt. 1822 war es Herr Maier, 1828 Herr Kespe, 1835 Herr Wendelin Bibo, 1854 Herr Ohler, 1868 Herr Nikolaus Schneider, 1886 Herr \/\/ilhelm Immel.

In der Amtszeit des Herrn Immel erfolgte im Jahre 1886 eine neue Klasseneinteilung. Jungen und Mädchen wurden in der Oberstufe getrennt, also keine gemeinsame Erziehung mehr; diese Trennung der Geschlechter wurde bis 1960 beibehalten.

1886 wurden 267 Schüler unterrichtet, - 96 in den drei ersten Jahrgängen, 85 Mädchen und 86 jungen im 4.-8. Schuljahr und das nach wie vor von 3 Lehrern! Herr Immel wurde im Jahre 1897 zum Hauptlehrer ernannt. Die Mädchenklasse wurde von Herrn Effelbeeger unterrichtet.

Vom heutigen Standpunkt her gesehen, muss man die Einrichtung der Schule als primitiv betrachten, Die Schüler saßen Zu sechst und noch
mehr in einfachen Holzbänken mit Vertiefungen für die Tintenfässer, die Räume mit Öfen geheizt, nur eine Wasserstelle im Untergeschoß, kein Telefon, kein Raum für Lehrmaterial, kein Lehrerzimmer, keine sonderlich guten Aborte und ein kleiner Schulhof. Das Ökonomiegebäude wurde später, nachdem der Hauptlehrer keine Landwirtschaft mehr hatte, zu einer kleinen Wohnung für den Hausmeister umgebaut. Hier wohnte jahrelang das Hausmeister-Ehepaar Werthmann. Die Pausenzeiten wurden durch eine Schulglocke angezeigt.

Erst ab 1922 unterrichteten vier Lehrpersonen. Die Schülerzahl bewegte sich bis 1937 um die Anzahl 180-190 herum.

In den Kriegsjahren 1939 bis 1945 sank die Schülerzahl rapide auf etwa 140 Schüler, die dann nur noch von drei Lehrern unterrichtet wurden. Nach dem 2. Weltkrieg gab es dann einen ebenso rapiden Anstieg, waren es doch 1947 256 Schüler und dann bis 1955 immer etwa 200! jetzt waren fünf Lehrer zum Unterricht eingesetzt. Hauptlehrer Will wurde 1952 durch Hauptlehrer Hirschmann abgelöst. An der Schule waren ferner tätig: Herr Dienstbach, Fräulein Lietz, Fräulein Charisse und Fräulein Brauner.

Durch Raumnot im Schulgebäude bedingt, musste im Hause Dupré einen Klassenraum einrichten, sozusagen eine Dependance, eine "Zweigniederlassung".

Einschneidende Änderungen gab es in den Jahren 1964 und 1966.

1964 wurde das 9. Schuljahr eingeführt. Die Kinder aus Stephanshausen und Presberg wurden ebenfalls in Johannisberg von Lehrer Winter im 9. Schuljahr unterrichtet. Dieser Zuwachs bedingte die sechste Lehrerstelle, wie gesagt nur 2 Jahre.

1966 wurden im Zuge einer Schulreform alle Kinder vom 5.-8. Schuljahr zum Hauptschulort Winkel überwiesen.

In Johannisberg blieb seit dieser Zeit nur noch die Grundschule.

Zu erwähnen ist, dass seit 1950 die Schulräume nach und nach bezüglich ihrer Einrichtung modernisiert wurden, z. B. durch neue Klappsitz Bänke für je 2 Kinder, durch moderne Tafeln, die Erneuerung von Lehrmaterial (Landkarten usw.) und durch ein Telefon.

Durch zunehmenden Autoverkehr, gerade hier an der Stelle, wo sich die Landstraßen nach Winkel und zum Ortsteil Grund, bzw. Stephanshausen kreuzen, wurde der Lärmpegel in den Klassenräumen unerträglich. Auch die Gefahrenquellen auf dem Schulweg waren zu groß. Für eine moderne Unterrichtsgestaltung war die Schule nicht mehr zweckmäßig.

Die Gemeinde entschloss sich daher auf dem gemeindeeigenen Grundstück des Landhauses Dupré eine neue Schule zu bauen. Diese Schule, im modernen Sichtbeton-Stil mit Flachdächern, wurde am 20.12. 1968 eingeweiht. Die Gartenanlagen rings um die Schule und der ruhige Standort ließen die Kinder in dieser schönen Umgebung aufatmen. 4 Klassenräume, ein Mehrzweckraum, eine Schülerbücherei, ein Lehrerzimmer, ein Raum für Lehr- und Lernmittel standen zur Verfügung.

Trotzdem musste wegen der hohen Schülerzahl (1973 - 171 Kinder) wieder eine Klasse in das benachbarte Dupré-Haus ausgelagert werden.
 

     
Die 1968 neu gebaute Schule im Westen von Johannisberg
 

1977 erfolgte ein Wechsel in der Schulleitung. Herr Seufert übernahm nach Herrn Hirschmann die Hauptlehrerstelle, aber nur für 3 Jahre. In seiner Schulleiterzeit fällt 1978 die Auflösung der Grundschule in Stephanshausen. Alle Grundschul-Kinder von Stephanshausen werden von jetzt ab in Johannisberg unterrichtet.

1980 erfolgte der Wechsel des Schulleiters. Herr Winter - ehemals als letzter Lehrer in der "Zwergschule" Stephanshausen tätig, war nun Hauptlehrer.

Die amtlich verfügte kleine Zahl der Klassenstärke, verlangte, auch weil der Ausweichraum im Hause Dupré nicht mehr zur Verfügung stand, einen Erweiterungsbau, der 6-7 Klassen unterbringen konnte.

 

Der Schulanbau mit der neuen Turnhalle
Es war eine lange Wartezeit und erheblicher Proteste der Elternvertretungen, ehe der Kreis, dem die Schulen nun unterstanden, endlich die Mittel für die dringend erforderliche Erweiterung der Schule und für eine Turnhalle genehmigte. 

Der Erweiterungsbau machte gute Fortschritte, so dass noch 1991der Einzug erfolgen konnte.

Die zusätzlich errichtete Turnhalle kann, bedingt durch eine Grundstückschenkung der Stadt Geisenheim an den Rheingau-Taunus-Kreis, von den Johannisberger Vereinen unentgeltlich genutzt werden.

Der derzeitige Schulleiter ist Jürgen Diefenbach.

 
Weich ein Wandel von einst und jetzt! Man vergleiche nur einmal einst 250 Kinder bei drei Lehrern und jetzt 130 Kinder bei sechs Lehrkräften!

Zum Wohl unserer Kinder!

 

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