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- Niklas Vogt
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2002
Rudolf Edinger
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| 1756-1836 |
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| Niklas Vogt wurde
am Nikolaustag im Jahre
1756 in Mainz als Kind der Eheleute Ignatz (Stadtrat) und Maria Theresia
Xaveria Vogt (geb. Deuerkauf) geboren.
Die Schulausbildung erfolgte durch den Pfarrer Müller
aus Geisenheim und auf dem Gymnasium in Mainz studierte er u.a. auch
Philosophie in Mainz, Göttingen, Marburg und Gießen.
1792 heiratete er Eva Margarete
Pfeiffenbring aus Mainz-Kastel, die jedoch bereits 1795 verstarb.
Der
spätere Mainzer Geschichtsprofessor war Rheinromantiker und somit auch ein guter Freund
des Rheingaus. So bereiste er u. a. im Jahr 1808, zusammen mit den
Brentanos aus Winkel, den Rheingau.
Niklas Vogt ist
Verfasser von "Die europäische Republik". Als Hauptwerk gelten jedoch die
vier Bände "Rheinische Geschichten und Sagen". Seine "Malerischen
Ansichten des Rheins" von 1806 wurden Vorbild der Rhein-Reisebüchern des
19. und 20. Jahrhunderts.
Im Jahr 1806 entwirft
Vogt seinen Lesern u. a. ein idyllisches Bild vom Johannisberger Ortsteil
Grund: "den ein Mühlbach
durchplätschert. Ländliche Stege von zerbrochenen Mühlrädern und Steinen
führen darüber und von den zerstreut umherliegenden Wohnungen ziehen sich
kleine Treppen herab an sein blumichtes Ufer. Es ist ein wahrhaft
dichterisches Tal."
Niclas Vogt stand für
die Idee des vernünftigen Ausgleichs von widerstreitenden Kräften. Er
lehnte radikale Erneuerungen ab und stand für das historisch gewordene,
eine Mischung aus Aufklärung und Romantik.
1810 hat er u. a. mit
der Hilfe des Johannisbergers Johannes Weitzel, dessen Geschichtslehrer er
einst war, das
"Rheinische Archiv", herausgegeben,
das es bis 1814 in fünfzehn Bänden erschien.
Der rheinischer Schriftsteller und Dichter verehrte den
"großen Strom" mit schwärmerischer Liebe und wollte ihm auch noch nach dem
Tode in unmittelbarer Berührung verbunden sein. |
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In den
Jahren 1790-92 war er
auch ein Lehrer des Johannisberger Fürsten Metternich, während dessen
Studien in Mainz und hatte deshalb gute Kontakte zu den Metternichs.
Am 26. Juni 1830 trug er deshalb dem Fürsten
seine Bitte vor: "Nur das Vorgefühl, in dem Land zu ruhen, wo ich
geboren bin und die schönsten Tage meines Lebens hingebracht habe,
dieses erweckte in mir den Wunsch, unter höchstdero Schutz auf ihrem
Johannisberg zu ruhen".
Nachdem Vogt am 19.
Mai 1836 in Frankfurt am Main verstorben war, wurde auf er deshalb, auf seinen
Wunsch hin, in Johannisberg begraben.
Sein Herz und
sein Gehirn jedoch, wurden ebenso wunschgemäß, in einem Behälter
eingelassen, und in den "Mühlstein" im Rhein eingemauert.
Metternich ließ ihm zu Ehren 1837 ein
Monument aus Schwarzem Lahn-Marmor setzen. Der Stein wurde, infolge eines
Luftangriffs auf Schloss Johannisberg
beschädigt und beim Wiederaufbau der
Kirche 1951 zerbrochen und durch
eine Sandsteinplatte (siehe unten) ersetzt. |
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- Der "Mühlstein" im Rhein bei
Bingen -Lithographie von F. W. Delcescamp aus dem Jahr 1829
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Aus den Werken von Niklas Vogt:
Die sieben Jungfrauen bei Wesel
Da, wo bei Oberwesel sich der Rhein in den finstern Gebirgsschlund krümmt,
liegen über und unter seinem Wasser sieben größere und kleinere
Felsenstüke. Sie sollen ehemals s i e b e n J u n g f r a u e n gewesen
seyn, welche eben so schön als spröde waren. Die Ritter in der Nähe und
Ferne kamen zu ihrem Schlosse S c h ö n b e r g bei Wesel. Sie härmten
sich und quälten sich von Liebe entbrannt; aber keinem konnte es gelingen,
das Herz einer davon zu rühren. Da wurde über sie das Urtheil gesprochen,
daß sie so lange als Felsen in dem Rhein liegen sollten, bis sie ein Fürst
heraustragen und von ihnen eine Kirche bauen würde. Bei stillem Wetter und
dem Rieseln des Flusses will man sie zuweilen klagen hören; aber bis izt
hat sich noch nicht der Fürst gefunden, welcher sie erlösen wollte.
Niklas Vogt: Die
Bildergallerie des Rheins, in: Rheinisches Archiv für Geschichte und
Literatur, herausgegeben von Niklas Vogt und Johannes Weitzel. Band 5 Heft
5, Mainz 1811, S. 53-79, hier S. 68-69. Auch anonym in: Idunna und Hermode.
Eine Alterthumszeitung 1 (1812), S. 191 vom 28.11.1812 als Wiederabdruck
aus dem "ersten Heft der zu Leipzig erscheinenden allgemeinen Weltchronik"
(S. 171) mit dem Zusatz am Anfang: "Eine Sage für den Pinsel eines Ovids!"
und nach der Erwähnung des Urteils: "(von welchem Gott oder Geist?
schweigt die Sage hierüber?)".
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Die
sieben Jungfrauen bei Wesel
- "Dir heil'ge
Jungfrau! Dir allein vertrau ich meine Klagen.
- Nein, länger
kann ich nicht die Pein der Liebe mehr ertragen.
- Das Herz mir in
dem Busen pocht, das Blut mir in den Adern kocht.
- Hilf mir der
Flammen wehren, die mir das Mark verzehren.
- "Dort über
Wesel's grauen Höh'n, in Schönbergs stolzen Sälen [Vorlage: Säulen] 1),
- Regieren sieben
Jungfrau'n schön, nur mein Geschlecht zu quälen;
- Ihr Anblick ist
ein Maientag, und Niemand widerstehen mag,
- Wenn ihre Augen
schmelzen; doch sind sie hart, wie Felsen.
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"Viel Herren und Ritter mit Gefahr sind
schon hinauf geritten,
- Und boten ihre
Herzen dar in Zucht und edlen Sitten.
- Die Jungfrau'n
zogen jeden Mann durch ihre Buhlerkünste an.
- Doch keinem
konnt's gelingen ihr kaltes Herz zu zwingen.
- "Auch mir hat
ihrer Schönheit Glanz Verstand und Aug' geblendet;
- Drum hab' ich im
Vertrauen ganz zu dir mich hingewendet:
- Befreie mich von
dieser Schmach, die ich nicht länger dulden mag,
- Du bist ja mit
Erbarmen die Mutter aller Armen."
- So klagte Ritter
Willibald an einem Marienbilde,
- Was nah am Rhein
den Felsenspalt gar wunderbar erfüllte.
- Und als er so
gar tief bewegt die Hände auf die Brust gelegt,
- Hört er in
Lurleys 2) Hallen von fern Musik erschallen.
- Von Wesel's
Ufern abgeführt, kam her ein Schiff geschwommen;
- Mit Laub und
Blumen schön geziert, sah man es glänzend kommen;
- Und von dem
goldnen Verdek erhoben sich mit Rittern kek
- Die sieben der
Jungfrauen gar lieblich anzuschauen.
- Mit gleichem
Schlage rauschten vorn der Ruder blanke Späne;
- Und zwischen
ihnen schallen Horn- und süßer Flöten-Töne;
- Und wenn's den
Jungfrau'n wohlgefiel, ergriffen sie ihr Saitenspiel,
- Und sangen
Liebes-Lieder, es hallt der Lurley wieder.
- Und als die
Schatten in dem Thal die Tageswärme kühlten,
- Und auf dem
flüssigen Kristall die Abendlüftchen spielten,
- Verließen sie
das Goldverdek und sprangen auf ein Felsenek,
- Des Kleids sich
zu entladen, und in dem Rhein zu baden.
- Von ihren
Körpern strahlte Lust, als sie die schönen Glieder
- Vom Gürtel
lößten, und die Brust schwoll wallend auf und nieder.
- Und wie das
reinste Elfenbein sah man jetzt aus dem dunkeln Rhein
- Sich rosig und
voll Leben die schönsten Formen heben.
- Als so sich auf
der Felsenbucht der Mädchen Leib enthüllte,
- Erhobe Willibald
mit Zucht die Hände zu dem Bilde,
- Und fleht der
frechen Schaar zum Truz der heil'gen Jungfrau mächt'gen Schuz,
- Daß sie gen die
Gefahren ihn ferne mögt' bewahren.
- Indeß die
Mädchen mit Gefahr geklammert an den Nachen
- Si[ch] tiefer
wagten und sogar den frommen Mann verlachen,
- Bewegt' sich das
Marienbild und neigte sich gar gut und mild
- Zum Ritter an
dem Orte, und sprach die Schreckensworte:
- "Nicht länger
soll der freche Hohn der eiteln Weiber glüken.
- Sie sollen
keinen Erdensohn in Zukunft mehr berüken,
- Sie mögen liegen
hart wie Stein, bis sie zu tragen aus dem Rhein
- Ein Fürst sich
wird getrauen, um eine Kirch zu bauen."
- Auf diese Rede
stieß der Kahn schnell ab auf einen Felsen,
- Die Bretter
krachten, drauf und dran sich Wellen schäumend wälzen,
- Das Schiff borst
in der Mitt' entzwei und bei dem tiefen Lureley
- Versanken in den
Wellen die Jungfrau'n und Gesellen.
- Gleich wurzelten
am Felsengrund die schönen weisen Glieder;
- Sie sanken,
sonst so weich und rund, erstarrt und ekig nieder;
- Und ihre Busen
voll und zart versteinerten sich rauh und hart.
- Sie strozten aus
dem Rheine als sieben kalte Steine.
- Nur wenn der
stille Abendstern nach schwülen Sommertagen
- Am Himmel
glänzt, hört man noch fern und leise ihre Klagen;
- Doch bleiben sie
gar jämmerlich kalt und versteint; denn noch hat sich
- Kein Fürstensohn
gefunden, der sie hätt' losgebunden.
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- 1) Das Schloß
Schönberg bei Oberwesel.
- 2) Ein Felsen mit
Echo bei St. Goar.
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Quelle:
Rheinisches Archiv für Geschichte und Litteratur,
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hrsg. von N. Vogt und J. Weitzel Bd. 6 Heft 9, Mainz 1811, S. 5-9
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Gedenkstein in der Schloss- u.
Pfarrkirche
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Grabstein von Niklas Vogt
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