Weinbau in Johannisberg
     

Es ist bekannt, dass der Sohn Kaiser Karls des Großen, Ludwig der Fromme, im Jahre 817 an dem heutigen Elsterbach die ersten Erträge von Wein nennt.

Die Rebe kam wahrscheinlich durch die Römer in den Rheingau. Aber Kaiser Karl schaute um 800 von seiner Kaiserpfalz in Ingelheim zur Zeit der Schneeschmelze in den Rheingau und pflanzte dort die ersten Reben, wo der Schnee zuerst schmolz. Das war am Bischofsberg, dem heutigen, ab 1130 benannten Johannisberg und in einem Teil des Rüdesheimer Berges.

Die Mainzer Benediktiner auf dem Johannisberg ab 1098 und die Zisterzienser ab 1136 rodeten, kultivierten den Boden und pflanzten die Reben. Dabei kommt den Zisterziensern von Kloster Eberbach diesbezüglich eine große Bedeutung zu. Sie brachten die edelste aller Rebsorten, den Pinot noir - den Spätburgunder - in unseren Rheingau. Ab 1719 begannen die Fuldischen Benediktiner auf dem Johannisberg konsequent mit dem Anbau des Rieslings, der heute 81 % der Rheingauer Rebfläche bestockt.

Rheingauer Weinmarktprotokolle vom 16. bis zum 18. Jahrhundert belegen, auch für die Johannisberger Winzer, einen Kundenkreis der von Brügge und Brüssel über Westfahlen und die nördlichen deutschen Hansestädte.

1895 befanden sich in Johannisberg 100 Weinbaubetriebe. Sie bebauten 80,90 ha der Flur und einschließlich des Besitzes in anderen Gemarkungen 114,29 ha.

Nach der Größe gliederten sie sich so auf:

Besitz bis 10 Ar = 18 Betriebe
Besitz bis 25 Ar = 21 Betriebe
Besitz bis 50 Ar = 21 Betriebe
Besitz bis 75 Ar = 17 Betriebe
Besitz bis  1 ha =  6 Betriebe
Besitz bis  2 ha = 11 Betriebe
Besitz bis  5 ha =  1 Betrieb
Besitz bis  5 ha = 5 Betriebe

Siehe auch Johannisberger Weinlagen.

Zum Nutzen der kleineren Betriebe entstand 1897 der Johannisberger Winzerverein. Die Mitglieder besaßen 1902 ca. 13 ha Weinbaufläche.

Die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte dem Weltruf der Rheingauer Weine neuen Aufschwung. Die großen Güter wetteiferten miteinander, indem sie die Traubenlese über die Vollreife der Trauben bis zur Edelfäule verschoben.

Sie machten sich das zunutze, was 1775 im Kloster Johannisberg geschah. Durch den verspätet eingetroffenen Herbstkurier aus Fulda, hatte man drei Wochen später als normal gelesen. Die dadurch entstandenen faulen Trauben waren von einem Pilz befallen (Botrytis cinerea), dem man bis dahin nie Aufmerksamkeit schenkte. Dieser Jahrgang 1775 bescherte den Mönchen ein derartig gutes Gewächs, dass diese fortan ihre Trauben erst lasen, als alle Trauben in dem ganzen Rheingau bereits gekeltert waren. Ein "Ohngefähr" ein Zufall - hat hier eine Rolle gespielt und der Johannisberg kann und darf sich zurecht als die Wiege der Weinprädikate bezeichnen.

Siehe auch "Entdeckung der Spätlese"

Johannisberg hat heute in der Weintrinkenden Welt einen großen Namen.

Nicht nur vom Wein des Schlosses Johannisberg könnte daher der Spruch im Bremer Ratskeller inspiriert sein, der dort wohl bei dessen Ausbau 1874 bis 76 angebracht wurde:

GÄB ES NICHT IM LEBEN VIEL ESSIG UND ÄRGER, WORAN KENNTEST DU GLÜCK UND JOHANNISBERGER ?

Oder wie es im Volksmund heißt:

EIN GUTES MITTEL GEGEN ÄRGER" IST STETS EIN GLAS JOHANNISBERGER !

     

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