Der Johannisberger: Johannes Weitzel
   
Johannes Weitzel
1772-1837    
 

Nach einem Urteil von Börne aus dem Jahr 1821 war Johannes Weitzel der beste deutsche politische Schriftsteller.

Wer war dieser Johannes Weitzel ?

Johannes Weitzel, der spätere Publizist und Bibliothekar, wurde im Johannisberger Grund am 24. Oktober 1772 als Sohn des Küsters Johannes Weitzel und der Maria Juliana (auch Justina) Schrauter geboren. Seine Familie war alteingesessen und stellte im 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts zwei Oberschultheißen. Weitzel hatte bereits in früher Kindheit (+ 24. Mai 1776) seinen Vater verloren.

Nach dem Besuch der Gymnasien in Bad Kreuznach und Mainz studierte er zunächst 2 Semester Geschichte an der Mainzer Universität. Hier gehörten im übrigen auch Heinrich und Niklas Vogt zu seinen Lehrern. Danach zog es ihn, auf den Spuren von Goethe und Schiller, zu weiteren -unabgeschlossenen- Studien über Kant nach Jena.

Im Oktober 1792, einen Monat, nachdem man in Paris die Republik ausgerufen hatte, wurde Mainz an die siegreichen französischen Truppen übergeben. Obwohl er die Revolution begrüßt hatte und nun einer seiner Lehrer, Andreas Joseph Hoffmann, zu den tonangebenden "Klubisten" zählte, wechselte Weitzel nur wenig später zur anderen Rheinseite über. Dort jedoch sah er sich als Jakobiner denunziert, so dass er die Flucht zurück antreten musste. Mit dem Abzug der Franzosen im Juli 1794 fand die Mainzer Republik ihr Ende, mit ihrer Rückkehr Ende 1797 eine erste Phase der Restauration.

1795/96 in seinem ersten Buch, "Geist der fränkischen Revolution", pries Weitzel die Vorzüge der Kontemplation: "Ich prüfte, und der Pesthauch der Seuche dieses Jahrhunderts gieng an mir vorüber".

Im Jahr 1796 setzt er zunächst sein Studium in Göttingen fort, brach es dann aber wieder ab da er sich "Nicht zum Gelehrten geboren" fühlte.

1798 fand sich auf Vermittlung Hoffmanns für Weitzel eine Stelle in der Verwaltung des - durch die damalige Zugehörigkeit zur Französischen Republik - Neugeschaffenen Departements Donnersberg.

In der Zeit von 1799 bis 1801 war er dann als Kreiskommissar in Germersheim tätig, wo er auch seine spätere Frau Margarete Dietrich kennen lernte. Er erregte dort jedoch durch sein "Streben nach Gerechtigkeit" Anstoß. Durch seine "revolutionäre" Gesinnung wurde ihm die erwünschte Rückkehr nach Johannisberg versagt.

Als er im Zuge der Verwaltungsreform von 1800/01 nicht weiterbeschäftigt wurde, versuchte sich Weitzel zunächst als Herausgeber einer eigenen Monatsschrift. Das Interesse des Publikums an seinen fortgesetzten "Betrachtungen über die Ursachen großer Staatsrevolutionen" war jedoch gering, so dass die "Egeria" (Monatsschrift für Freunde der Geschichte, Gesetzgebung und Politik) nach nur fünf Lieferungen eingestellt werden musste. Aber durch seinen in der "Egeria" erschienenen Bericht: "Betrachtungen über die Ursachen großer Staatsrevolutionen mit besonderer Hinsicht auf die Fränkische" erregte Weitzel Aufsehen.

Danach wirkte er ab Ende 1801 für knapp 10 Jahre in Mainz als geachteter Herausgeber der "Mainzer-Zeitung". Unter seiner Leitung erlangte die Zeitung große Beliebtheit und Ansehen.

Nebenher veröffentlichte er seinen Roman "Lindau oder der unsichtbare Bund" (Eine Geschichte aus dem Revolutionskrieg) dem bald weitere folgten und wirkte als Professor am 1803 gegründeten Lyceum.

1805 wurde er von der Mainzer  Universität zum "Lyz. Proffessor" ernannte.

1810 half er Niklas Vogt, bei dem er einst Geschichte gehört hatte, bei der Transformation seiner Europäischen Staatsrelationen in das "Rheinische Archiv", welches es bis 1814 auf fünfzehn Bände brachte. Weitzel schrieb hier über neueste Geschichte und verschiedenste aktuelle Themen, etwa die in England anstehende Parlamentsreform, veröffentlichte Übersetzungen aus dem Französischen sowie Proben aus einem weiteren Roman.

1811 verlieh ihm die Philosophische Fakultät der Universität Marburg den Ehrendoktor in Anerkennung seiner Bestrebungen um Verbreitung humaner Gesinnungen und um Beförderung einer echten Lebensweisheit.

In den Jahren 1811 bis 1813 wurde ihm die Redaktion der "Mainzer-Zeitung" vorübergehend entzogen, ehe ihn die provisorische Regierung ihn 1814 wieder einsetzte.

1812 ernannte ihn die Pariser Universität zum "Bachelier de Lettres".

Im Jahr 1813 verlegte er seinen Wohnsitz nach Wiesbaden und trat dort ab 1816 in nassauische Dienste.

Ab dem 2. Juli 1816 redigierte er in Wiesbaden die neu begründeten "Rheinischen Blätter" und wurde zum Hofrat ernannt. Die erste politische Zeitung des Herzogtums Nassau und gewann dadurch großen Einfluss auch in den preußischen Rheinlanden. Dies machte seiner an die Idee der Pressefreiheit gebundenen journalistischen Tätigkeit ein Ende. Die neue Zeitung stieß in die Lücke, die der im Januar 1816 unterdrückte "Rheinische Merkur" hinterlassen hatte.

Als 1919 Nassau die Beschlüsse des Bundestages von 1818 umsetzte und somit auch die Zensur eingefügt wurde, wurden die "Rheinischen Blätter" jedoch eingestellt.

1820 wurde er als nassauischer Hofrat Leiter der 1816 begründeten Landesbibliothek in Wiesbaden. Vom Anhänger Rousseauschen Ideen hatte er sich über die Verehrung Napoleons zum Vertreter der konstitutionellen Monarchie gewandelt. Doch Weitzel hielt fest an den revolutionären Idealen der Gleichheit, Freiheit und moralischen Mitverantwortung jedes Bürgers und vertrat sie als gemäßigter Liberaler in verschiedenen Schriften.

In der Zwischenzeit lebte Weitzel wieder in Johannisberg, wo er sich ein kleines Landgut gekauft hatte.

Große Hoffnungen setzte Weitzel in seine "Geschichte der Staatswissenschaft" (1832/33), die auf Vermittlung Karl von Rottecks in Cottas Programm kam, jedoch ein bestenfalls gemischtes Echo fanden. Gleichwohl lud ihn Rotteck zur Mitarbeit am Staats-Lexikon ein, und Weitzel steuerte zu dessen ersten Bänden eine Anzahl vorwiegend biographischer Texte bei, darunter zu Bailly, Bentham, Bolívar, Burke, Canning, Chateaubriand und Fichte.

Mit Recht konnte er 1835 von sich sagen: Nihil Rhenani a me alienum puto (Nichts Rheinisches ist mir fremd).

Bis zu seinem Tod entfaltete Johannes Weitzel eine intensive publizistische Tätigkeit. Die Aufzählung seiner Werke würde den Rahmen dieser Kurzbiografie sprengen.

Weitzel starb in Wiesbaden am 10. Januar 1837.

     

 

 
 

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